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Römer 12, 2

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Der Monatsspruch für April ist so etwas wie eine christliche Standortbeschreibung. Paulus fordert ganz einfach: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich!“ Paßt euch nicht an, seid nicht ungerecht wie die Ungerechten, maßlos wie die Maßlosen, friedlos wie die Friedlosen oder abgebrüht wie die Abgebrühten.
„Stellt euch nicht dieser Welt gleich!“ - Ich kenne nur einen, der das geschafft hat. Jesus ist der Mensch, in dem die Menschlichkeit Gottes aller Welt vor Augen tritt. Er ist der Mensch, der das Leben liebte und die Liebe lebte. Er ist der Mensch, der Gerechtigkeit nicht nur forderte, sondern sie auch lebte. Er ist der Mensch, in dem Gottes Gottheit als die Menschlichkeit des Menschen zum Ausdruck kam.
Wer sind dagegen wir? Wir sind die, die immer wieder zur Beweglichkeit des Denkens aufgefordert, ermuntert werden müssen.
„... ändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes.“ Wie kann man sein Denken erneuern? Zunächst heißt das doch: Ich habe eine eigene Meinung. Ich kann mir ein Urteil bilden, weil ich gelernt habe, das Gute vom Gutgemeinten zu unterscheiden. Änderung heißt Abkehr vom bisherigen Weg, Denken und Fühlen, Tun und Treiben. Die alten Spielregeln gelten nicht mehr, es gilt neue zu lernen und zu gebrauchen. Paulus sagt: Ändert euch, kehrt ab vom bisherigen Weg, macht es anders als die Anderen. Ändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes. Ändert eure Gesinnung, also das, was bisher Maß und Ziel, Richtung und Ordnung war.
Ändert euren Sinn, gebraucht also euren Verstand und eure Vernunft.
Christen sind bewegliche Leute, beweglich auch im Denken! Denn sich nicht dieser Welt gleichzustellen, fordert schon viel geistige Beweglichkeit. Erneuert euren Sinn, sagt Paulus. Wir müssen das aber nicht ziellos tun.
Das Ziel ist uns durch Gottes Wille vorgegeben. Was ist Gottes Wille? Leider ist der Schluss von Römer 12, 2 beim Monatsspruch einfach weggelassen. „..., damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ Das Wohlgefällige, also das, was Gott Freude macht, ist die Richtung, in der ich mich verändern soll.
Veränderungen sind möglich, wenn unser Denken beweglich bleibt. Wenn wir nicht erstarren, wenn wir uns nicht täuschen lassen von falschen Bildern, wenn wir darauf beharren, dass das Vollkommene möglich bleibt.
Wir werden auf Gottes Willen stoßen, da wo wir lieben, vergeben, verzeihen, andere mitnehmen auf den Weg, trösten, aufrichten, Hoffnung geben, Mut machen. Auf all diesen Betätigungsfeldern können wir prüfen, was Gottes Wille ist.
„Stellt euch nicht dieser Welt gleich...“, dies ist alles andere als eine Aufforderung zum Rückzug aus der Welt, im Gegenteil. Als Christ stehe ich mit beiden Beinen in der Welt, sondere ich mich nicht ab von den Menschen.
Gottes Wille ist einfach: Das Leben lieben und die Liebe leben.
Erneuerung hat etwas mit dem Kopf zu tun, erst muß mein Sinn sich erneuern, dann wird sich auch mein Leben ändern. Wir sollen uns nicht aus der Welt in einen geschützten Winkel zurückziehen, sondern mitten im Alltag Gottes Wille erfüllen.

Rainer Schling