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Matthäus 16,15

„Jesus Christus spricht: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ (Matthäus 16,15)

Gedanken zum Spruch des Monats September

Vor fünf Jahren zu dieser Zeit waren meine Frau und ich zum Urlaub in Rom. Damals haben wir zum ersten Mal die ewige Stadt besucht. Neben den beeindruckenden Stätten der Antike haben uns damals vor allem die Kirchen interessiert. Mehr als 1000 Gotteshäuser soll es dort geben. Das bekannteste von ihnen ist wohl der Petersdom im Vatikan – zugleich der bedeutendste Kirchenbau der katholischen Kirche. Selbstverständlich lag dieser Sakralbau ebenfalls auf unserer Sightseeingtour durch Rom. Ich muss gestehen: eine wunderbare Kirche, bei der man die Augen vor lauter interessanter und kunstvoller Dinge kaum verschließen kann. Besonders beeindruckend empfand ich die große Kuppel inmitten des Bauwerks. Neben dem fulminanten Raumgefühl blickte ich damals gespannt auf einen Spruch, der am unteren Ende der Kuppel rundherum angebracht ist und mit folgenden Worten beginnt: „Tu es Petrus“. Diese Worte entstammen einem Text im Matthäusevangelium, dem auch der Spruch des Monats September zuzuordnen ist. In diesem Text geht es um die Frage, für wen die Menschen zur damaligen Zeit Jesus halten, und auch, für wen seine Jünger ihn halten: „Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“, richtet Jesus an seine Anhänger. Diese Frage nach der Deutung der Person Jesu taucht in den Evangelien immer wieder auf. Immer wieder geht es um die Frage, ob Jesus lediglich ein einfacher Mensch gewesen ist oder ob etwas Göttliches in ihm war. Verschiedene Erzählungen und Gleichnisse versuchen dieses Geheimnis zu beantworten. In diesem Text ist es der Jünger Simon Petrus, der auf Jesu Frage bekennt: „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ Für Petrus ist Jesus nicht nur ein Mensch, für ihn ist er der Gesalbte Gottes – ja mehr noch: Gottes Sohn. In Kurzform bringt Petrus damit das zentrale Bekenntnis des Christentums zum Ausdruck. Jesus ist für uns der von Gott gesandte „Gesalbte“ (der „Christus“) und Gottes Sohn, der uns vom Verderben erlöst und uns neues Leben schenkt. In der biblischen Erzählung würdigt Jesus nun dieses Bekenntnis des Petrus, indem er sagt: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen“. Damit befinden wir uns wieder im Petersdom in Rom. Denn die zitierten ersten drei Worte unter der Kuppel „Tu es Petrus“ sind die in lateinischer Sprache gehaltenen drei Anfangsworte des von gerade zitierten Verses Jesu: „Du bist Petrus“. Für unsere katholischen Geschwister ist diese biblische Erzählung zentral. Denn sie begründet in ihren Augen das Papsttum. Für sie ist Simon Petrus damit zum ersten Papst ernannt worden, in dessen Nachfolge sämtliche Bischöfe von Rom stünden: Petrus sei der Fels, auf dem Jesus seine Kirche bzw. Gemeinde errichtet hat – so glauben es unsere katholischen Geschwister. Allerdings liegt hier im griechischen Originaltext ein Wortspiel vor, das auch anders übersetzt werden kann. Fels heißt im griechisches „Petra“. „Petrus“ heißt jedoch nicht Fels, sondern Stein. Im Griechischen lautet der Vers also: „Du bist der Petrus und auf diesen Petra will ich meine Gemeinde bauen.“ Um dieses Wortspiel im deutschen wiederzugeben, könnte man Petrus als ein „vom Felsen stammender Stein“ oder kurz als „Felser“ bezeichnen. Dann lautet der Vers: „Du bist ein Felser und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.“ In dieser Lesart ist dann aber nicht Simon Petrus der Felsen, sondern das Bekenntnis, das Petrus zuvor mit Blick auf die Person Jesu gesagt hat. Das Bekenntnis zu Jesus als dem Christus und Gottes Sohn ist es, worauf Jesus seine Gemeinde bauen will. Und – ähnlich wie Simon Petrus – ist jeder Mensch, der dieses Bekenntnis formuliert und für sich annimmt ein „Felser“, ein zu diesem Bekenntnis-Felsen gehörender Stein. Wenn Sie also einmal nach Rom kommen sollten und im beeindruckenden Petersdom unter der sehenswerten Kuppel stehen und die Worte „Tu es Petrus“ lesen, dann können Sie zu sich selber sagen: Ja, das bin ich – ich bin ein Felser, der zum Bekenntnis-Felsen Jesu Christi gehört. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gottes Segen und übermittle Ihnen die herzlichsten Grüße,

Ihr Pfarrer Dr. Gregor Bloch
Juni 2023