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Galater 3, 26

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Um Kind zu sein, braucht es nicht viel, denkt man zunächst. Man muss nur geboren werden. Mehr nicht?
Doch: Das Kind braucht Beziehung. Auch Straßen- und Waisenkinder wurden mal geboren. Biologisch und rechtlich gesehen sind sie Kinder. Aber alles andere fehlt ihnen: Wärme, Verlässlichkeit, Liebe, Gespräche. Richtige Kindschaft braucht Beziehung. Für die Gotteskindschaft gilt das Gleiche.
Wir sind durch die Taufe zu Gottes Kindern geworden und das kann uns keiner mehr nehmen - wie schön! Und doch ist dies „Geborenwerden“ durch die Taufe erst der Anfang. Wenn von da an in Sachen Beziehung nichts mehr läuft, steht die Familie Gottes nur auf dem Papier. Beziehungspflege tut Not. Aber wie?
Gott selbst bietet sich als Vater an: er liebt, er gibt uns Orientierung, er gibt uns Freiheit, in der wir uns entwickeln und wachsen können, Freiheit, auch Fehler zu machen und zu gehen (vgl. „verlorene Sohn“). Er vergibt und empfängt uns wieder mit offenen Armen, wenn wir auf diesen Wegen gescheitert sind und zurückkehren.
Und wir als Kinder? Wie kann unser Teil der „Beziehungspflege“ aussehen? Ein Kind hat Interesse an dem, was Vater oder Mutter sagen (hört auf Gottes Wort). Ein Kind Gottes nimmt Teil am Leben der Gesamtfamilie (Gemeinde), es lässt sich von ihrem Lebensstil prägen (Ethik). Und es vertraut und verlässt sich auf die Eltern: Es „glaubt“.
Ein bisschen davon haben wir versucht, in den vergangenen zwei Jahren den 34 Konfirmandinnen und Konfirmanden näher zu bringen: sie werden am 7. Mai konfirmiert.
Auch sie sind durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Und manchmal ging es zu, wie in einer Großfamilie: Da wurde diskutiert und hinterfragt. Es gibt unterschiedliche Formen im Lebensstil und im Umgang miteinander. Wir sind verschieden und wir reiben uns aneinander (und an den Eltern). Dabei entwickeln wir unsere eigene Persönlichkeit. Die Konfirmanden sollten lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden und eigene Überzeugungen zu behaupten, ihren Platz in dieser Familie zu entdecken.
Kirchliches Leben ähnelt heute manchmal dem Leben in einer Patchworkfamilie. Wer gehört dazu? Und für wie lange?
Paulus sagt: Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Mit Unsicherheit, Angst und Verzweiflung, Wut und Klagen, all das gehört zum Kindsein. Geborgen sind wir dort, und die Fehler, die wir machen, werden uns verziehen. Geliebt sind wir in der Familie Gottes, egal was wir leisten.
Gottes Familie ist offen: Wir schotten uns nicht nach außen ab, sondern gehen auf andere zu. Weglaufen können wir und zurückkommen, wie der verlorene Sohn. Die Türen stehen offen, der Tisch ist weiterhin gedeckt. Kinder werden geliebt, auch wenn sie weglaufen.
Der Monatsspruch bietet nicht nur Orientierung und klare Grenzen, sondern auch Weite, da, wo wir Gefahr laufen, auszugrenzen! Diese Familie ermöglicht aber auch immer wieder feste Beziehungen: im Glauben, der offene Gespräche ermöglicht und nach einem gelingenden Zusammenleben für alle Menschen strebt.
In diesem Sinne gratulieren wir den diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden und wünschen ihnen, dass sie ihren einzigartigen Platz in dieser Familie finden! Dass sie trotz allem Zweifel, trotz aller Verlockungen von außen diese Beziehung im Glauben behalten:
Wir sind alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus – weil Gott uns nicht aufgibt.

Heike Stijohann