Von 1723 bis 1966

 

Die Orgel im Jahre 1723 erbaut hat 1 Manual, Aufhänge-Pedal und folgende Register: Gedact 8´, Rohrflöte 8´, Gedact 4´, Octav´, Quinte 9´, Mixtur / 3fach, Spitzflöte 2´ und dem Namen nach eine Gambe 8´. – Drei kleine Spunbälge liefern den Wind.

Die Orgeln

1882

Orgelbauerlogo

Seit Beginn des Kurbetriebes in Meinberg wurde mit der steigenden Zahl von Curgästen die Kirche allmählich zu klein. So beschloß der Kirchenvorstand, die einschiffige Kirche nach Süden hin zu erweitern. Es wurde Raum für zusätzlich 140 Personen geschaffen einschließlich einer Empore für eine neue Orgel. Der Orgelbauer Klaßmeier-Kirchheide wurde gebeten, die etwa 160 Jahre alte Orgel zu begutachten:

Die vom löblichen Kirchenvorstande zu Meinberg gewünschte und von mir am 13. August 1881 vorgenommene Untersuchung der dortigen Orgel ergab folgendes Resultat:

Die Orgel im Jahre 1723 erbaut hat 1 Manual, Aufhänge-Pedal und folgende Register: Gedact 8´, Rohrflöte 8´, Gedact 4´, Octav´, Quinte 9´, Mixtur / 3fach, Spitzflöte 2´ und dem Namen nach eine Gambe 8´. – Drei kleine Spunbälge liefern den Wind.

Gutachten

§ 1) Pfeifenwerk: Die Pfeifen sind aus Blei hergestellt und entbehren auch den kleinsten Zinngehalt. Dieselben sind ihres hohen Alters wegen stark oxidiert und durch öfter wiederholtes Stimmen in dem langen Zeitraum dermaßen zerrissen, daß der Ton der Orgel ca. einen ganzen Ton zu hoch steht.

§ 2) Die Windladen befinden sich in einem höchst traurigen Zustande. Total vom Wurm zerfressen. Die Fundamentböden haben sich losgelöst und der Wind strömt unten aus den Lamellen. Die Schleifen erlauben Durchstecher und das Regierwerk ist zum größten Teil unbrauchbar, da es durch Morschheit längst verfallen ist.

§ 3) Die Mechanik ist unter aller Kritik, ebenso auch die Klaviaturen zu Manual und Pedal. Die Bälge lassen den Wind auf verbotenen Wegen heraus. Die Belederung ist durch den Zahn der Zeit untauglich geworden.

Resümee:

Vorstehendes Gutachten nach meiner vollen Überzeugung gegeben liefert den Beweis, dass an eine Reparatur an genannter Orgel nicht zu denken ist.Angebot:

Ein in jeder Hinsicht vollständiges Orgel-Werk mit 2 Manualen, Pedal und neuem Prospect würde 3000,- Mark kosten. Ernst Klaßmeier

 

 

Der neue Orgelprospekt von 1882

Orgelprospekt

Der Anbau des Südflügels begann im Frühjahr 1882. Die alte Orgel wurde abgerissen. Nur die Orgelpfeifen brachten noch einen Verkaufserlös von 12,- Mark. Im November holte der Kirchendeche Flammenkamp/Vahlhausen mit seinem Gespann für 20,- Mark die neue Orgel von Kirchheide ab. Nach Einbau erhielt der Orgelbauer eine Teilzahlung von 600,- Mark in bar. Die Restsumme konnte erst in den folgenden Jahren in Raten beglichen werden. Der Bälgetreter der alten Orgel, der sein Jahresentgelt von 12,- Mark immer mit drei dicken Kreuzen quittierte, weil er des Schreibens nicht kundig war, hat seine Tätigkeit an der neuen Orgel nicht wieder aufgenommen. Ein Herr Otte erledigte das jetzt nebst anderen Kleinigkeiten für jährlich 22,20 Mark. Die Orgel spielte Herr Karl Küstermann 40 Jahre lang in aller Treue bis zu seiner Pensionierung als Lehrer im Jahre 1927. Das Organistenamt übernahm jetzt der junge Lehrer Wilhelm Rebbe.

 

1927

Orgelprospekt

Pastor Kottmeyer schrieb damals in seine Chronik:

„Der Kirchenbesuch zahlt sich immer mehr. Es ist eine wahre Freude. Nun werden auch aus der Gemeinde heraus die Stimmen lauter nach dem Erweiterungsbau. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz besetzt. Viele müssen umkehren, was bei der geringen Größe der Kirche kein Wunder ist. Wenn das weiter so bleibt, müssen wir ernstlich überlegen, ob wir die Kirche nicht doch vergrößern. Sie in die Kreuz-Form zu verwandeln, wäre gewiß keine große Schwierigkeit und würde dem Altertum der Kirche keinen Abbruch tun“.

Mit dem Anbau des Nordflügels wurde im Herbst 1927 begonnen. Bei den Bauarbeiten gab es unvorhergesehene Schwierigkeiten mit der Deckenkonstruktion. Der südliche Flügel hatte ein sehr unschönes Tonnengewölbe aus Holz, was in Übereinstimmung mit der Decke im neuen Teil gebracht werden sollte, aber in gestaffelter Form. Die alte Decke musste verschwinden und so wie im neuen Teil werden. Nun stand aber die Orgel zu hoch und käme an die Decke. Die Orgel musste abgebaut und die ganze Orgelempore gesenkt werden. Pastor Kottmeyer schrieb dazu in seine Chronik: „ Ich wundere mich, mit welcher Geduld der Kirchenvorstand auch solche Änderungen und Neuerungen willigt, ohne zu meckern und die Geduld zu verlieren.

 

1936

Unsere Orgel macht uns Kummer. Noch leiden wir unter den Kirchbauschulden von 1928. Sollte tatsächlich eine größere Reparatur nötig sein? – Ja! - Wir haben die Reparatur und den Umbau der Orgel der Firma Steimann übertragen. Jetzt hat auch das Bälgetreten ein Ende. Ein Elektrogebläse erzeugt Wind für den Blasebalg. - Wieder eine Ausgabe von 3000 Mark.
Das Werk ist vollendet und zur Zufriedenheit ausgefallen“.

 

1965

 

Orgelprospekt

Durch Aufschwung und Weiterentwicklung des Badeortes ergab sich die gleiche Situation wie vor 40 Jahren. Die Kirche wurde zu klein und die Orgel genügte nicht mehr den musikalischen Anforderungen. Zu der geplanten Erweiterung des Südflügels um weitere 4 Meter, forderte man diesmal ein Gutachten von dem Orgelsachverständigen der Lippischen Landeskirche an.

Professor Alexander Wager erstellte im Juli 1965 folgendes G u t a c h t e n:

„Die Orgel in der Kirche zu Bad Meinberg ist um das Jahr 1882 von der Fa. Klaßmeier-Kirchheide als pneumatische Kegellade mit 2 Manualen und Pedal gebaut und als Kombinationslade aufgestellt. Im Jahre 1937 hat die Fa. Steinmann-Vlotho das Werk umgebaut. Seither hat es 11 klingende Stimmen (6 : 3 : 2) und 5 Koppeln. Das Pfeifenwerk stammt fast ausschließlich aus der Klaßmeier-Orgel und ist aus dem entsprechend minderwertigen Material mit starken Kulpungen und Kernstichen hart und roh gearbeitet. Auch hier fällt der ungewöhnlich hohe Prozentsatz Holzpfeifen auf; die Mehrzahl der Register wechselt das Material, sofern sie nicht überhaupt unvollständig sind. Auf wessen Konto das verblüffende Durcheinander innerhalb des Materials und der Formen geht, ist nicht mehr mit Sicherheit auszumachen. Die Disposition ist unzureichend und kann samt der Aufstellung und der Intonation mit den Maßstäben eines soliden Orgelbauhandwerkes nicht gemessen werden. Auch ist sie in quantitativer Hinsicht schon jetzt, vor der Kirchen-erweiterung nach Süden, zu klein imVerhältnis zum Fassungvermögen des Raumes.

In Anbetracht dessen, dass Traktur- und Regierwerk in einem System erbaut sind, dessen mangelnde Haltbarkeit sich in kurzer Frist erwiesen hat, ist das Instrument in erstaunlich gutem Zustand. Ungleichmäßige und langsame Ansprache sowie das Fehlen von ca. ½ Dutzend Tönen müssen systembedingt gesehen werden. Eine Korrektur der äußerst verstimmten Mixtur dürfte allerdings schwierig sein.

Da 1.) ein größeres Instrument – insbesondere bei ver-größertem Innenraum – erforderlich ist, 2.) die vorhandene Orgel irgendwelche Umbauten nicht mehr gestattet und 3.) eine regulierte, theologisch fundierte Kirchenmusikpflege in der zahllose Fremde erfassenden Kurgemeinde Bad Meinberg mit diesem Instrument nicht möglich sein kann, empfehlen wir, die Klaßmeier-Steinmann-Orgel zum unverbindlichen Richtpreis von ca. 12.000,- DM an eine kleinere Landgemeinde zu verkaufen und eine mechanische Schleifladenorgel von 15 klingenden Stimmen auf drei Werken: Hauptwerk, Kronpositiv und Pedal in Auftrag zu geben.

Wir empfehlen hierfür die Fa. Steinmann, die ohnehin die Verlagerung des alten, kleineren Werkes übernehmen müsste. Dieses neue Instrument sollte an der Südemporenrückwand aufgestellt werden. Die Prospektgestaltung bedarf des Zusammenwirkens zwischen Landesdenkmalsamt und Orgelbaumeister.

Erst ein solcher Neubau würde der so altwürdigen wie bedeutenden Meinberger Kirche ein ihrer örtlichen wie auch ihrer landeskirchlichen Bedeutung adäquates Musikinstrument zum Lobe des Höchsten und zur Erbauung der Gemeinde verleihen.

gez. Alexander Wagner
Professor“

 

In enger Zusammenarbeit mit Sachverständigen, Orgelbaumeister Steinmann und dem Landeskonservator wurde ein baureifer Plan für eine 22-Register-Orgel ausgearbeitet.
Die Gestaltung des Orgelprospektes übernahm das Architektenbüro Groote-Hagen.
Für die alte Orgel fand sich trotz aller Bemühungen kein Käufer. Nur die Orgelbaufirma vergütete für noch brauchbare Orgelteile ein paar Mark.

Inzwischen war der im Frühjahr 1966 begonnene Erweiterungsanbau des Südflügels so weit fortgeschritten, dass ein Ersatzintrument für die Übergangszeit bis zur Fertigstellung der neuen Orgel aufgestellt werden konnte.

Aus dem Gemeindebrief, November 1966:

„Nach vielen unerwarteten Verzögerungen kommt der Ausbau unserer Kirche allmählich zum Abschluss. Die von der Norddeutschen Musikakademie übernommene Übungsorgel steht bereits seit Oktober 1966 auf der um 4 Meter verlängerten Südempore. Damit haben wir auch in unserer Meinberger Kirche neue Möglichkeiten für unsere kirchenmusikalische Arbeit. Endlich ist nun Platz für Singkreis und Posaunenchor, für Sänger und Instrumentalisten.“

Nach sechsjähriger Planungs-und Bauzeit waren die 1.446 Orgelpfeifen in das Hauptwerk, Rückpositiv und Pedalwerk der neuen 22-Registerorgel eingebaut.

In diesem Zeitraum konnten auch die Gesamtkosten von 107.000,— DM aus Rücklagen, bereitgestellten Haushaltsmitteln und Spenden aufgebracht werden.

Am Sonntag, 26. Juli 1971, konnte die neue Orgel durch den amtierenden Landessuperintendenten, Dr. Viering, feierlich eingeweiht werden.

Georg Stritzke