Eine besondere „Türerfahrung“ für das neu beginnende Jahr
„Wir erwarten Sie zum Abendessen!“, so sagten Menschen zu mir und meiner Familie, als wir einmal in eine neue Pfarrstelle wechselten. Der Weg war weit und wir fuhren gleichsam dem Umzugswagen voraus. Übernachten mussten wir noch in einer Ferienwohnung bis Betten und übrige Möbel im Pfarrhaus aufgebaut waren. Doch erwartet wurden wir zum Abendessen. Das empfand ich als schön und wohltuend.
„Du wirst erwartet!“ Oder: „Wir freuen uns auf Dich!“ – Welch wunderbarer „Türöffner“ ist das …
Und wie anders kann es auch sein.
Ich denke, unterschiedliche „Türerfahrungen“, das kennen wir alle. Die Erfahrung, wirklich oder nur in Gedanken vor einer verschlossenen Tür zu stehen und sich die Frage zu stellen, was geschehen wird, wenn ich durch diese Tür hindurchgehe. Werde ich freundlich aufgenommen? Oder wird mir gleichsam „die Tür vor der Nase zugeschlagen“?
Bei einem Stellenwechsel oder Umzug frage ich mich dies womöglich.
Aber auch, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
Was wird sein? Werde ich Menschen finden, die es gut mit mir meinen? Oder werde ich kaum beachtet, oder gar abgelehnt?
Diese Fragen werden auch Menschen stellen, die in unsere Stadt kommen, um hier Zukunft zu finden.
Diese Fragen stellen wir vielleicht auch, gerade jetzt am Beginn eines neuen Jahres. Die Erfahrungen der vergangenen fast zwei Jahre tragen wir mit uns. Die Unsicherheit, und auch die besonderen Belastungen, die wir alle – jede und jeder auf ihre und seine Weise – tragen mussten.
Die Jahreslosung für das Jahr 2022 gibt uns eine ermutigende Antwort, weil sie Türen weit öffnet, anstatt diese zu verschließen. „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ So heißt es dort in den überlieferten Worten des Johannesevangeliums, dort im 6. Kapitel nachzulesen.
Das beruhigt – in der Frage: Was wird sein?
Das macht gelassen – in der Frage: Was wird kommen?
Und das macht mutig und kreativ, Türen selbst weit zu öffnen.
Denn da ist einer, der uns die Tür gleichsam weit öffnet. „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Und wenn das so ist, dann wissen wir nicht nur, was uns hinter so manchen „Türerlebnissen“ erwartet. Dann können wir auch die negativen und belastenden leichter ertragen und wegstecken, denn wir wissen: Gottes Türen stehen uns offen und keiner kann sie uns wieder verschließen.
„Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Ich denke, mit dieser Zusage können wir auch in das neue Jahr gehen, von dem wir nicht wissen, was es uns bringt. Mit dieser Zusage können wir Türen öffnen – für uns und für andere in unserem Umfeld.
Dass es uns gelingt, das wünsche ich uns – in unseren Gemeinden und ganz persönlich mit einem Segenswunsch, den ich selbst sehr schön und ermutigend finde:

Ich wünsche dir die Erfahrung,
willkommen zu sein.
Sie gibt dir verlässlichen Boden
und Vertrauen für deinen Weg.
Sie öffnet dir die Augen
für Schönes am Rande
und für den Lichtstreif am Horizont.
Sie macht dich stark,
auch steile Strecken zu meistern,
und hilft dir aufzustehen,
wenn du gefallen bist.
Sie weckt in dir den Wunsch,
dich zu verschenken
und nimmt dir die Angst,
dich selbst darüber zu verlieren.
Amen.

Ihr Pfarrer Matthias Zizelmann
im November 2021