an ps34 15

Weihnachten, das „Fest der Liebe“, darauf gehen wir zu in diesen Tagen. Darauf freuen wir uns. Denken wir zurück, da gab es ihn noch, den „Weihnachtsfrieden“, der von diesen Festtagen ausging – in den Schützengräben der Kriege früherer Tage, bei Mahnverfahren, dem Abstellen von Wasser und Strom bei Zahlungsverzug und anderswo. Das ist lange her, so hat man den Eindruck, blicken wir auf die Weihnachtsfeste unserer Tage und die entsprechenden Meldungen dazu.
Niemals sonst im Jahr gibt es so viele Streitigkeiten in den Familien, nie gibt es so viele depressiven Verstimmungen, nie gibt es so viele einsame Todesfälle.
Warum?, so können wir fragen.
Vielleicht, weil unsere Erwartungen und Wünsche an die festlichen Tage nicht erfüllt werden? Vielleicht, weil unsere Erwartungen zu hoch und letztlich unerfüllbar sind? Doch können wir denn überhaupt zu viel erwarten von einem Fest, in dem Gott im kleinen Kind im Stall von Bethlehem zur Welt kommt, um ganz menschlich zu werden und mit uns Menschen neu anzufangen?
Vielleicht trauen wir dem auch nicht, was da geschieht, trauen wir dem durch nichts zu überbietenden Frieden nicht, der von diesem Ereignis im Stall von Bethlehem ausgeht?
Gott kommt zu uns Menschen, ohne Ansehen der Person, ohne nach unserem Status, unserer Geschichte, unseren Leistungen und Verfehlungen zu fragen, um uns Zukunft zu eröffnen, wieder neu. Karl Barth, der große Theologe des 20. Jahrhunderts, hat dies eindrücklich zur Geltung gebracht, gerade am Ende der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, Neuanfang ist möglich auch für die, die sich verfehlt haben, und sogar für die, die schlimmste Verbrechen begangen haben.
Gut, dass wir 2019 das Karl-Barth-Jahr feiern und uns darauf besinnen.
Gut, dass wir das mit einer Jahreslosung tun, die uns durch das neu beginnende Jahr begleitet, und die zum Frieden mahnt.
„Suche Frieden und jage ihm nach!“ so steht es im 34. Psalm. Das können wir, gehen wir mit dem Frieden des Weihnachtsfestes, gehen wir mit der Nähe Gottes, die wir dann feiern, seiner Liebe zu uns allen, durch die 365 Tage des Jahres.
Nicht einfach.
Deshalb, „nachjagen“ sollen wir dem Frieden, uns einsetzen für ihn. Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg und Zerstörung. Frieden bedeutet aufeinander zuzugehen, sich vergeben und einander versöhnen, das Miteinander gestalten, jeden Tag wieder neu. Der Sport ist ein Beispiel dafür, wo das gelingt. Trotz Auseinandersetzung und notwendigem Kampf. Diese werden aber auf sportliche Art und Weise geführt, nach klaren Regeln und unter Androhung von Sanktionen. Als faire Sportlerinnen und Sportler eben.
Daran erinnert mich der Basketballkorb auf dem Bild zur Jahreslosung 2019, wie Frieden möglich wird zwischen so unterschiedlichen Menschen, die der Sport zusammenführt. Menschen, die schon länger hier in Deutschland leben, und denen, die noch nicht lange hier sind. Da hören wir von beispielhaften Projekten, die gut gelingen, und zur Verständigung beitragen. Nicht ohne die sportliche Auseinandersetzung. Aber so, dass man sich nach dem Abpfiff in die Augen schauen und sogar ein Bier oder wahlweise eine Limo miteinander trinken kann.
„Suche Frieden und jage ihm nach!“,
schön wäre, wenn wir dem Gott, der Frieden mit uns macht, trauen würden, und seinen Blick auf uns geliebte Menschenkinder übernehmen könnten, immer wieder – im Großen wie im Kleinen.
Denn dann könnte Friede werden, den wir so dringend nötig haben.
Das wünschen sich
Ihre Pfarrerin

Irmela Lutterjohann-Zizelmannund Ihr Pfarrer Matthias Zizelmann
November 2018