| Ich nehme das Herz von Stein und gebe ihnen ein Herz von Fleisch (Hesekiel 11,19) |
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Herzerfrischend, herzerwärmend, herzlich, beherzt, großherzig – Worte, die es warm in mir werden lassen. Worte, die Erinnerungen wecken an besonders schöne Erfahrungen. Jemand hat beherzt zugegriffen, wo ich keine Kräfte mehr hatte. Ein herzliches Wort gesagt als ich bekümmert war. Herzerfrischend war die Begegnung mit den Kindern. Aber zugleich fallen mir auch die Geschichten von Herzlosigkeit und Unbarmherzigkeit ein. Kälte im Umgang miteinander. Da spricht ein Kollege nicht mehr mit dem anderen. Da gönnt eine Schwester der anderen nicht mehr die Butter auf dem Brot. Wie viel ältere Menschen fühlen sich nicht mehr gebraucht und wie viele junge Menschen werden gar nicht erst gebraucht, bekommen keinen Ausbildungsplatz. Erfahrungen und Begegnungen mitten im Alltag. Da erzählt jemand von einer solchen Alltagsbegegnung und ist beinahe erschrocken über die eigene Herzlosigkeit. „Gestern traf ich eine Frau. Sie ging mit ihrem Hund spazieren. Sie sagte zu mir: Was soll man tun, wenn man mit dem Leben nicht mehr fertig wird? Wissen Sie es? Ich blieb stehen, schaute sie lang an. Schwieg. Und sagte: Nein, ich weiß es auch nicht. Dann schwieg sie und sagte: Ich danke ihnen. Ganz erleichtert sagte sie das, denn sie wollte keine schnelle, falsche Antwort. Sie sagte: Sie sagen die Wahrheit. Aber es war nicht die ganze Wahrheit, denn ich hätte mir Zeit nehmen müssen. Ich hätte sagen müssen: Wenn Sie möchten, besuche ich Sie. Sie aber war erst einmal zufrieden und sagte nur noch: Und bitte beten Sie für mich.“ (Friedrich Schorlemmer, Eisige Zeiten, 1996, S. 163) Die Sehnsucht nach einem menschlichen Herzen ist uralt. In der Bitte der Frau: Beten Sie für mich kommt diese uralte Sehnsucht zur Sprache. Die Sehnsucht nach einem menschlichen Herzen findet eine Antwort in der biblischen Überlieferung, die Juden und Christen verbindet. Der Prophet Hesekiel hört es als Gottes Antwort auf unsere Sehnsucht. Der Vers ist der Monatsspruch für den Monat Oktober. Gott spricht: Ich schenke ihnen ein anderes Herz und einen anderen Geist. Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz von Fleisch. (Hes 11,19). Ein Herz von Fleisch. Ein lebendiges Herz: Ein Herz, das schlägt und das (mit-)fühlt, das hüpft und schmerzt. Der Strom des Lebens erreicht uns Menschen, wo wir auf die Herztöne Gottes hören. Sein Herz schlägt für alle seine Geschöpfe. Gottes Pulsschlag fühlen – für die eine oder den anderen kann das der Besuch des Gottesdienstes sein, ein Spaziergang oder das Wissen, da betet jemand für mich oder einen Brief zu bekommen mit wirklich „herzlichen Grüßen“. Das sind Erfahrungen, in denen uns Gott ein lebendiges Herz gibt. In diesen Tagen feiern wir Erntedank. Ich möchte Gott nicht nur danken für die Ernte auf den Feldern und in den Gärten, sondern auch für solche Begegnungen und Erfahrungen „mit Herz“: Herzerfrischend, herzerwärmend, herzlich, beherzt, großherzig…! Ihre Pastorin Petra Stork, ev.-ref. Kirchengemeinde Horn
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