Angelika Overath:
Alle Farben des Schnees
Selbst wenn man bereits einmal im Engadin gewesen ist – nach der Lektüre dieses „Senter Tagebuchs" möchte man wieder hin, um das von der Autorin geschilderte Leben in einer 900-Seelen-Gemeinde auf 1.440 m Höhe erleben zu können.
Die Romanautorin und Reporterin Angelika Overath zog im Sommer 2007 mit ihrer Familie in deren langjähriges Schweizer Feriendomizil Sent im Unterengadin. Wie sie ein altes Bauernhaus renovierten, mit 40 Bücherkisten den lagebedingt nicht gerade einfachen Umzug organisierten und ihr Leben in einem völlig anderen Umfeld als dem bisher in Tübingen gewohnten begannen, dies erzählt die Autorin in einer sehr ruhigen, sachlichen Sprache.
Das ein Jahr umfassende Tagebuch schildert sowohl den Alltag im Dorf mit seinen Bewohnern, seinen Tieren und dem Wandel der Jahreszeiten (der hier besonders deutlich wahrgenommen wird, nicht zuletzt, da es sechs Monate lang schneit und selbst im Hochsommer von einem Tag auf den anderen Schnee fallen kann) als auch den Rückblick auf den Umzug und das Eingewöhnen in die neue Umgebung.
Am Beispiel des kleinen Sohnes, der sein zweites Grundschuljahr in Sent aufnimmt, beschreibt die Autorin das Hineinwachsen in die neue Sprache: In Sent wird vornehmlich Rätoromanisch bzw. das hier übliche Idiom Vallader gesprochen. Während der kleine Matthias sehr schnell die Sprache aufgreift und zuweilen sogar seine Mutter beraten muss, wenn diese Gedichte auf Vallader verfasst, fällt letzterer das Erlernen sehr schwer.
In ihrem Tagebuch versucht sie daher, mögliche Gründe für diese ‚Blockade' zu finden, und ist entsprechend stolz, als ihre romanischen Texte bei der Bevölkerung Anklang finden. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre! (254 S.)
vorgestellt von Claudia Röhne
im September 2011
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