Halldór Laxness:
Das Fischkonzert
Seit über 100 Jahren schlägt auf Hof Brekkukot bei Reykjavik dieselbe Uhr - und doch scheint die Zeit hier stehengeblieben zu sein. Für viele Menschen ist Brekkukot ein Zufluchtsort, eine temporäre Herberge bis zur Weiterreise. Auch für eine junge Frau auf dem Weg nach Amerika wird Brekkukot zur (notgedrungenen) Zwischenstation: Sie bringt einen Sohn zur Welt, den sie auf dem Hof zurücklässt und der von den beiden Hofbewohnern, seinen ‚Pflege-Großeltern‘, Alfgrimur genannt und wie deren eigenes Kind aufgezogen wird. Der Originaltitel des Romans, wörtlich übersetzt „Die Annalen von Brekkukot", verdeutlicht die Intention des Autors, ein Stück Gesellschafts- und Sozialgeschichte am Beispiel eines kleinen isländischen Hofes und lokaler Episoden zu schildern. Der Leser begleitet den Protagonisten Alfgrimur viele Jahre lang und erfährt dabei, wie sich die isländische Gesellschaft und Wirtschaft auf dem Weg in die Moderne allmählich zu verändern beginnt. Laxness legt Wert auf zunächst alltäglich, ja banal erscheinende Einzelheiten, die zusammengenommen jedoch ein vielschichtiges, anschauliches Bild der ländlichen Gemeinde ergeben. Noch vor diesem autobiographisch geprägten Roman erhielt Laxness 1955 den Nobelpreis für Literatur. Seine „anschauliche Epik, die die große isländische Erzählkunst erneuert" (aus der Begründung des Nobelpreiskomitees), gilt sicherlich auch für Das Fischkonzert; nicht zuletzt ist es die Menschlichkeit seiner Figurenzeichnung, die sich dem Leser tief einprägt. (269 Seiten)
Claudia Röhne
vorgestellt im Dezember 2010
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