Totengleich
Bei Frenchs zweitem Roman handelt es sich nicht eigentlich um eine Fortsetzung ihres Überraschungserfolges Grabesgrün (siehe Gemeindebrief 10/2009), obgleich die junge Polizistin Cassie Maddox einige Male auf die recht traumatischen Folgen ihrer Ermittlung in diesem Band eingeht. Die beiden Romane sind jedoch durchaus unabhängig voneinander lesbar; der Reiz des zweiten Romans besteht (neben dem eigentlichen Kriminalfall) darin, die Protagonistin, ihr persönliches Umfeld und ihren Blickwinkel auf die irische Gesellschaft näher kennenzulernen. Auslöser für die Ermittlungen in Totengleich ist der Fund einer weiblichen Leiche, die Cassie bis aufs Haar gleicht - und noch dazu im Personalausweis Cassies ehemaligen Undercover-Namen Lexie Madison trägt. Woher kannte die Tote Cassie, und weshalb nahm sie eine zweite Identität an? Diese Fragen interessieren Cassie (nicht nur beruflich) so sehr, dass sie sich gleichsam in die ‚Höhle des Löwen‘ begibt und in die (feudal auf dem Land lebende) Wohngemeinschaft von Studenten zieht, deren Mitglied auch die Tote war. Cassie gibt sich als Lexie aus, deren Tod zunächst geheim gehalten worden war; erleichtert nehmen die Studenten ihre anscheinend bei einer Gewalttat glimpflich davongekommene Freundin wieder in ihrer Mitte auf. Doch sind die vier Kommilitonen tatsächlich glücklich, „Lexie" wiederzusehen? Was ist in „Whitethorn House" vor ihrem Tode passiert? Cassie muss in ihrer Doppelrolle nicht nur jeder noch so kleinen Fährte nachgehen, sondern zugleich ihre eigene Sicherheit immer mehr aufs Spiel setzen... Die Spannung baut sich allmählich auf; die einzelnen Figuren und die besondere Atmosphäre der WG im alten Landhaus werden sehr detailliert geschildert, so dass man beim Lesen sicher ein wenig Geduld benötigt, durch die dichte, farbige Sprache jedoch stets gefesselt bleibt. (780 Seiten)
Claudia Röhne
vorgestellt im Dezember 2010
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