Grenzgang
Alle sieben Jahre wird im hessischen Bergenstadt „Grenzgang" gefeiert, eine Volkskirmes, die seit Jahrhunderten die Bewohner der Kleinstadt mehrere Tage lang in Aufregung versetzt. Um den Heimatstolz der Bergenstädter in Worte zu fassen, stimmt der Bürgermeister zur Eröffnung die Nationalhymne an - und obwohl man eher pflichtschuldig mitsingt, gehört diese Zeremonie genauso zum Grenzgang wie das traditionelle ‚Abwandern‘ der ursprünglichen Ortsgrenzen. Kerstin und ihr Sohn Daniel schließen sich ihren Nachbarn und Freunden an, im ‚Gepäck‘ ihre Sorgen, Hoffnungen und Erinnerungen an frühere Kirmeserlebnisse. Der Autor schildert in wechselnden Perspektiven die Geschehnisse mehrerer Grenzgänge, und so entwickelt sich nach und nach die Geschichte um Kerstin, die nach der Scheidung von Daniels Vater ihre demenzkranke Mutter pflegt, und Thomas, der, aus Berlin heimgekehrt, am Bergenstädter Gymnasium Kerstins Sohn unterrichtet. Beide Figuren sind auf unbestimmte Weise gelangweilt und enttäuscht von ihrem Leben: unzufrieden mit ihren (gescheiterten) Lebensentwürfen, befangen (wenn nicht ge-fangen) in den gesellschaftlichen Erwartungen, welche die Kleinstadt an sie stellt. Beim Grenzgang 1999 lernen die beiden sich kennen; sieben Jahre später, als sich in beider Leben Risse zeigen, begegnen sie sich erstmals wieder. Ihre Bekanntschaft scheint jedoch unter keinem guten Stern zu stehen: Als Daniels Klassenlehrer muss Thomas Kerstin von einer heiklen schulischen Angelegenheit berichten, in die ihr Sohn verwickelt ist... Der Autor überzeugt durch seinen treffenden, oft ironischen Stil; die unterschiedlichen Zeitebenen und Erzählperspektiven sowie prägnante Dialoge, welche die (unfreiwillige) Komik einer Situation beinahe greifbar zum Ausdruck bringen, machen den Roman lebendig und unterhaltsam. (453 Seiten)
vorgestellt von Claudia Rhöne
im April 2010
im April 2010
| < Zurück | Weiter > |
|---|


















